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Dein Glaube hat Dir geholfen! Ein Satz,  den Jesus oft zu den Menschen gesprochen hat (z.B. Mark. 5,34). Es ging dabei immer um Menschen, die sich in einer tiefen Not und Verzweiflung an ihn gewandt haben. Menschen, die krank waren und die am Rand der Gesellschaft standen. Menschen, die von niemanden gesehen wurden und die keiner haben wollte. Sie alle wurden von ihrer Not, aber auch von ihrer Hoffnung getrieben Heilung bzw. eine Änderung ihrer momentanen Situation zu erfahren. Sie wollten gesund werden und sie wollten wieder dazu gehören, zu den anderen, den Gesunden. In dieser Not wandten sie sich an Jesus mit dem Glauben und dem Vertrauen, dass er helfen kann.

Aber was ist das für ein Glaube, der letztendlich aufs Ganze geht, der alles auf eine Karte setzt, jetzt oder nie. Denn Jesus war ihre letzte Hoffnung.

Dieser Glaube entsteht da, wo ich keine Hoffnung mehr sehe. Wo ich an meine Grenzen gekommen bin und meine eigenen Handlungsmöglichkeiten erschöpft sind. Wo ich hilflos und ohnmächtig eingestehen muss: „Jetzt kann nur noch ein Wunder helfen“. Das ist die totale Kapitulation. Ich kann nicht mehr! Das ist das sich eingestehen der eigenen Schwäche und des eigenen Unvermögens. Daraus entsteht die Hoffnung und der Wunsch etwas möge eingreifen was stärker und mächtiger ist als ich. (Im Falle der biblischen Geschichten, Jesus.)

Aber wie hören und fühlen sich diese Sätze an, in unserer Zeit des Machbaren und alles Überwindbaren an.  In einer Zeit, wo Grenzen dazu da sind, sie auszutesten, sie zu überwinden und immer neue Herausforderungen zu suchen. Wo wir unseren Körper bis zum Äußersten strapazieren und damit über uns selbst hinaus wachsen (wollen). Mit Extremsportarten  fordern wir nicht nur unsere Grenzen, sondern auch den Tod heraus. Wer ist stärker? Und wir nehmen es sogar in Kauf, wenn wir gegen den Tod verlieren. Kapitulation gibt es nicht, und wenn liegt es an mir und meiner eigenen Schwäche. Und da nicht sein kann, was nicht sein darf, wird Schwäche nicht zugelassen. Der unerschrockene, alle Herausforderungen meisternde und immer lächelnde Mensch ist der Held unserer Tage. Der Marlboroman des 2. Jahrtausends.

Selbstoptimierung ist heute das Zauberwort und beinhaltet die Formel für das glückliche und erfüllte Leben.

„Das alles hilft mir in meinem Leben extrem“, sagt er. „Wenn ich sehe, dass ich meine Ziele erreiche, macht mich das glücklich. Früher hatte ich immer ein gewisses Schuldgefühl, weil ich dachte, ich arbeite nicht genug oder ich verschwende meine Zeit. Und jetzt, da es messbar ist, kann ich mich endlich kontrollieren.“ *

Selbstoptimierung ist das Streben das Beste aus sich herauszuholen. Es geht um das persönliche Wohlbefinden, Fitness, Leistungsfähigkeit, Schönheit und Glück. Es geht darum gesünder, bewusster und glücklicher zu leben. Und das betrifft alle meine Lebensbereiche. Sie werden vermessen, verwogen und kontrolliert.  Fitness- und gesundheitsrelevanter Daten  messen meinen Puls, meinen Blutdruck, aufgenommene und verbrauche Kalorien, meinen Schlaf u.a.m. Ich verlasse mich vollkommen auf meine Messinstrumente und richte mein Leben darauf aus. Mein Selbst wird zu einer Maschine die über Chips und Messungen auf sein Optimum eingestellt werden kann. Es wird zu etwas, das ich beherrschen kann und will – um glücklich zu werden.

Aber was dann, wenn diese meine Kontrolle versagt? Wenn sich der gewünschte Erfolg nicht einstellt? Habe ich etwas falsch gemacht, nicht genügend auf mich bzw. die Instrumente geachtet? Habe ich gesündigt, bin ich Schuld?  Was dann, wenn ich merke, dass ich mich doch nicht so beherrschen und kontrollieren kann wie ich es mir erhoffe.

Das Selbst, das so produziert wird, ist ein Ideal, ein Ideal vom gesunden, leistungsfähigen und glücklichen Menschen. Über Kontrolle und Beherrschbarkeit versuchen wir unsere Unzulänglichkeit und unser Unvermögen zu überdecken. Dahinter steckt die Angst uns zu verlieren, zu verlieren in einer wenig kontrollierbaren und überschaubaren Welt.

Die Gefahr des Ganzen ist, dass wir den Kontakt zu uns selbst verlieren. Wir verlernen es auf die eigenen Bedürfnisse und die unseres Körpers zu hören. Wir verlernen es in uns hinein zu spüren und auf die eigenen Bedürfnisse zu achten. Die Frage ist nicht mehr was brauche ich und was tut mir gut. Stattdessen schaue auf mein Fitnessarmband, das es mir sagt. Und so kann eine scheinbare Selbstbestimmtheit schnell zur Hörigkeit werden.

Jesus geht einen anderen Weg. Er fragt die Menschen „was willst Du, dass ich Dir tue“ Diese Frage wirft sie auf sich selbst zurück. Er sagt ihnen nicht ich weiß was gut für Dich ist und was Du brauchst. Nein, sag Du es mir, dann wird Dir geholfen.

Das Problem Vieler ist heute, dass sie nicht wirklich wissen was sie brauchen und was ihnen gut tut. Sie haben es verlernt auf sich zu hören, auf ihren Körper und auf ihre Seele. Sie sind nach außen orientiert und hören eher auf das, was andere von ihnen wollen. Auf das, was Medien und Werbung ihnen vorgaukeln. Sie folgen einer allgemeinen Vorstellung von Glück und Zufriedenheit, aber sie fragen nicht danach „was brauche ich für mich um glücklich zu sein“

Darum geht es im Glauben auch um die Frage: „Was willst Du, dass ich Dir tue“  bzw. „was brauchst Du“

*Die Zeit-Online, Lebensart, Julia Friedrichs | 08. August 2013 – 08:00 Uhr

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