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Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen! (Matth. 7,12)

Dieser Satz steht bei Matthäus im Zusammenhang mit bittet so wird Euch gegeben und klopft an, so wird euch aufgetan. Der obige Satz ist dann die logische Folge bzw. die Zusammenfassung dieser beiden Aussagen.

Gott bietet sich hier als jemand an, der immer da ist und der sich nicht verweigert, wenn ihn jemand sucht oder braucht. Der nicht die Tür zu macht, wenn jemand kommt, sondern auf das eingeht, was er braucht und es ihm gibt. Zunächst scheint es, als würde es vor Allem um praktische Hilfe gehen. Aber das Angebot geht tiefer, denn es nimmt mich auch als Menschen in meiner grundsätzlichen Bedürftigkeit wahr. Es geht um das, was ich als Mensch zum Leben brauche, und das ist neben der täglichen Nahrung Annahme, Zuwendung, Liebe, Trost, Schutz und Sicherheit. Um Dinge, die mich zu einem gesunden und heilen Menschen machen. Und es ist ein Beziehungsangebot mit der Botschaft „ich bin immer da, wenn Du mich brauchst“. Du kannst zu mir kommen in jeder Not, Situation oder Verfassung. Und wenn du eine Bitte hast, gebe ich dir, was du brauchst. Und darin eingeschlossen ist dann auch die praktische und die tätige Hilfe. Die Voraussetzung ist allerdings, dass das, was ich erhalte, auch meiner Bitte entspricht bzw. dem was ich erwarte. Denn es macht wenig Sinn einen Stein zu bekommen, wenn ich um ein Brot bitte. Für Gott ist es absolut unlogisch und paradox, wenn man sich so verhält. Und jeder wäre zu tiefst enttäuscht, wenn er so behandelt werden würde. Es geht um Glauben und Vertrauen, ich glaube und vertraue Dir, dass Du mir das gibst, um was ich Dich bitte. Geschieht das nicht und wird dieses Vertrauen dauerhaft missbraucht, kann es zu tiefen Verletzungen führen. Davor will Gott uns schützen. Das meint dann auch die Verhaltensregel: „Was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen“. Damit ist weder ein Wunschkonzert gemeint, noch die blinde Erfüllung der Wünsche. Es verlangt auch keinen Altruismus oder sich selbst zurück zu stellen. Und es darf, wenn nötig, auch ein ehrliches „Nein“ sein. Es geht einzig und allein darum, dass ich das in mich gesetzte Vertrauen und die Hoffnung nicht enttäusche, indem ich dem Anderen Steine statt Brot gebe. Und Gott verspricht uns, uns nie zu enttäuschen.

Aber ist es nicht das, was uns heute in unserer Zeit allzu oft erleben, dass wir Steine statt Brot erhalten? Unsere Welt ist doch voller Mogelpackungen und falscher Versprechungen, die nicht eingehalten werden. Die Werbung erzeugt Erwartungen, die sich im Nachhinein als Flopp erweisen. Wir vertrauen Politikern mit ihren Wahlversprechungen, dass sie uns das geben werden was wir brauchen – und werden enttäuscht. Mit der logischen Folge, dass das Vertrauen schwindet – wen wundert es.

Es gibt nichts Schlimmeres als Vertrauen zu missbrauchen. Zusagen oder Versprechungen nicht einzuhalten oder missachtend zu bedienen. Kinder, die das erleben, werden nie ein gesundes Grundvertrauen der Welt und den Menschen gegenüber entwickeln. Wenn nie adäquat auf ihre Bedürfnissen reagiert wird, entwickeln sie ein geringes Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl. Gemeint ist dabei nicht das „Nein“, du bekommst das jetzt nicht oder das geht jetzt nicht. Es geht um die Steine, die es stattdessen gibt. Und Steine sind dann z.B.: Strafe statt Trost, Forderungen statt Liebe, wertvolle Geschenke statt menschliche Zuwendung u.v.a.m. Und – für Kinder gilt „versprochen ist versprochen“, sie verstehen es nicht, wenn die Versprechungen ohne nachvollziehbare Gründe nicht eingehalten werden. Sie sind dann, zu recht, gekränkt und enttäuscht.

Erwachsene Menschen, die das erlebt haben und immer wieder erleben, werden misstrauisch und ziehen sich zurück. Ich werde nie wieder fragen oder bitten ist dann eine häufige Reaktion. Eine Beziehung, die in ihren Zusagen nicht verlässlich ist erzeugt Unsicherheit und Verwirrung. Was kann ich glauben, was nicht, kann ich vertrauen oder nicht, kann ich mich einlassen oder nicht. Aus dieser Unsicherheit wird Misstrauen und aus Misstrauen wird Rückzug – es ist mir egal. Daraus entwickelt sich dann die innere Regel, ich traue keinem, nur mir selbst. Enttäuschte vom Leben haben häufig das Gefühl zu oft Steine statt Brot bekommen zu haben. Sie sind verbittert und ohne Hoffnung.

Das ist nicht nur in Beziehungen sondern auch in der Welt, in der wir leben. Leere Versprechungen gehören zu unserem Alltag. Diejenigen, den wir Vertrauen schenken, missbrauchen es zu oft für ihre eigenen Zwecke. Wem können wir da noch trauen bzw. glauben. Das allgemeine Vertrauen in den Anderen schwindet immer mehr. Das erzeugt Ohnmacht und führt zur Resignation und zur Haltung ich bin mir der Nächste um kümmere mich um mich selbst. Frei nach dem Motto, wenn jeder an sich selbst denkt, ist an alle gedacht. Wen wundert es dann, wenn sich die Menschen auf sich selbst und ihren kleinen vertrauten Bereich zurückziehen..

Aber wie sollen die Menschen auf dann noch auf Gott vertrauen, wenn sie in der Beziehung zum Menschen und im Alltag eher gelernt haben misstrauisch zu sein und nur sich selbst zu trauen.

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