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Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten. (Matth. 5,13)

oder wie kommt das Salz in die Suppe

Salz war im Altertum sehr begehrt und kostbar, denn es gab es nicht in der Fülle wie heute und es war demzufolge auch nicht für jeden erschwinglich. Es war also, im Gegensatz zu heute, etwas Besonderes. Es war so kostbar, dass damit gehandelt wurde und es sogar ein begehrtes Tauschobjekt gegen Gold und Schmuck war. Ein Gedanke, der uns heute eher fremd ist, wo jeder seinen Salzstreuer in der Küche stehen hat und wir mit Salz recht lässig umgehen. Geht man aber von der Bedeutung im Altertum aus, so bekommt das Salz etwas sehr Existenzielles. Der römische Schriftgelehrte Cassiodorus schrieb vor über 1500 Jahren: „Der Mensch kann ohne Gold, aber nicht ohne Salz leben“*. Heute wissen wir, dass jeder Mensch pro Tag zirka sechs Gramm Salz zu sich nehmen muss, um seinen Bedarf zu decken. Denn „ohne Salz wären die Zellen nicht lebensfähig, die Organe würden nicht funktionieren und der Wasserhaushalt geriete aus dem Lot.** Salz ist also ein lebenswichtiger und -notwendiger Stoff. Wenn man dann aber das Salz von dieser lebensnotwendigen Funktion her sieht, ist es umso folgenreicher, wenn es fad werden würde. Denn wenn das Salz nicht mehr salzt, sondern fade oder töricht würde, hätte es keine lebenserhaltenden Stoffe mehr und es wäre nutzlos. Dann kann es nur noch weggeschüttet und zertreten werden. Und genau diesen Vergleich benutzt nun Jesus für seine Jünger. Denn, auch wenn ihm zur damaligen Zeit die eigentlichen physiologischen Prozesse nicht bekannt waren, so war man sich doch sicher dieser Bedeutung, ähnlich wie Cassiodorus, bewusst. Salz ist also mehr als die Würze des Lebens, es ist lebensnotwendig und lebenserhaltend. Somit erhält es eine ähnliche Bedeutung wie das „Wasser des Lebens“. Denn, „Salz ist für unser Leben genauso wichtig wie Wasser. Wir könnten weder ohne Wasser noch ohne Salz existieren.“ ***

Jesus sagt zu seinen Jüngern „Ihr seid das Salz der Erde“, klar und bestimmt, ohne  Wenn und Aber. Es ist eine Tatsache, eine Wirklichkeit, der wir Christen uns nicht entziehen können. Und wenn ihr es nicht seid, wer sollte es denn sein? Wenn ihr nicht mehr salzt, womit sollte man dann salzen. Und wie sie Salz sein können erklärt Jesus in Vers 16 bezogen auf das „Licht der Welt“: „So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“  Damit ist nicht der allgemein bekannte Grundsatz der Pfadfinder „jeden Tag eine gute Tat“ gemeint. Es geht weder darum gute Werke im Himmel zu sammeln, noch ihn sich durch Leistung verdienen zu müssen. Es geht auch nicht um eine objektiv messbare Qualität oder Quantität. Es geht vielmehr um das Ergebnis unserer Werke, bzw. unseres Tuns. Das heißt, unsere Werke müssen in ihrer Auswirkung gut sein, daran werden sie bemessen. Es geht darum zum Heil und Segen der Menschheit und der Erde beizutragen und nicht zu seiner Zerstörung.

Wie aber kommt nun das Salz in die Suppe bzw. seine (über)lebenswichtige Funktion unter die Menschen. Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe. Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! (Matth.10,7) Das ist die Aussendungsrede von Jesus. Klingt erst mal gewaltig und vom Auftrag her nahezu unerfüllbar. Wichtig ist aber zunächst das geht! Geht zu den Menschen und tut an ihnen die „guten Werke“. Bringt ihnen das Heil, nicht (nur) in Worten, sondern in Taten. Und, dass damit nicht unbedingt die „großen“ Taten gemeint sind zeigt Matth. 25,31: „… ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.“ Das sind die guten Werke, die Barmherzigkeit, die den Notleidenden erwiesen wird. Es ist das Mitleid, die Anteilnahme am Leid der anderen. Die zu sehen und wahrzunehmen ist das Anliegen Gottes, genauso wie er sich der Armen und Schwachen erbarmt. Es geht ihm um die Schwachen, Verlorenen, Ausgegrenzten und Abgehängten. Sie sollen aufgerichtet und getröstet werden. Sie müssen erfahren, dass es einen Gott gibt, der auf ihrer Seite ist. Denn nur so kann er bezeugt und von ihnen im „Himmel gepriesen“ werden.

Ohne Barmherzigkeit geht die Welt zugrunde. Sie ist das Salz, das lebensnotwendig ist, um die Welt lebenswert zu erhalten. Und wir Christen haben eine Bringschuld oder anderes, wir haben die Pflicht dieses Salz in die Erde zu  bringen, denn wenn wir es nicht tun, wer sonst. Und dieses Salz ist heute wieder dringend notwendig. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer, die, die am Kuchen des Wohlstandes teilhaben, werden immer weniger. Diejenigen, die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht mithalten können, werden mehr. Und die Welt wird radikaler. Eine Radikalität die sich gleichzeitig mit einem gewalttätigen und alles beherrschen wollenden Gottesbild verbindet. Aber all das ist der Aufschrei derer, die nicht gesehen werden. Umso wichtiger und notwendiger ist es, dass wir Christen das Bild eines barmherzigen Gottes vermitteln. Das Bild eines Gottes, der Gewalt, Macht, Herrschaft verabscheut. Ein Gott, der für die Opfer da und sie schützt und nicht für die Täter. Ein Gott der Mitleid hat mit den Armen und Geschundenen und ihnen Trost und Heil verspricht. Diese Seite Gottes kann man aber nicht predigen, sondern nur leben. Denn nur so können „sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“.

* http://www.planet-wissen.de/gesellschaft/lebensmittel/salz/
** https://www.welt.de/wissenschaft/article1677815/Ohne-Salz-wuerde-der-Mensch-nicht-ueberleben.html
*** https://www.zentrum-der-gesundheit.de/salz-gold-der-erde-ia.html

 

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