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Glaubst Du noch ?

 

warum dieser Blog

 

der Glaube muss wieder lebendig werden

Ist Glaube und Christsein heute noch aktuell? Eine Frage, die bei den rückläufigen Mitgliederzahlen in Kirchen und Gemeinden, durchaus berechtigt ist. Selbst die allereifrigsten Bemühungen und Versuche scheitern und bringen nicht den gewünschten Erfolg. Auch große Umfragen und Milieustudien laufen ins Leere. Ist die Kirche so, wie sie heute ist, ein veraltetes Konzept, das noch bis vor einigen Jahrzehnten getragen hat, aber heute nicht mehr? Ist sie nicht mehr der glaub-würdige Ort um den Glauben zu vermitteln? Oder ist der Glaube etwas  für Alte, Schwache und Naivlinge?

Wieweit ist sie noch attraktiv für die heutige Zeit mit ihren Anforderungen. Lebt und predigt sie nicht eher an den Bedürfnissen und Themen  unserer modernen Welt vorbei? Und – ist die Kirche wirklich der Ort für „das Volk Gottes“ oder wird es eher darin eingesperrt.

Was braucht unsere moderne Welt heute. Was sind ihre Fragen, Sehnsüchte, ihre Wahrheiten und Glaubenssätze.  Was fängt sie an mit Begriffen wie Sünde, Schuld und Vergebung. Ist die Bibel mit ihren alten Geschichten und Offenbarungen heute noch hilfreich. Hat sie eine Botschaft, die auch heute noch Werte und Orientierung vermitteln kann. Wie steht es um die Wahrheit der Bibel.

Die Bibel hat eine uralte Geschichte und in ihr sind die Gotteserfahrungen vieler Generationen zusammengetragen. Sie wurde von Menschen erzählt die sich auf Gott eingelassen haben, ihm vertraut haben und die von daher ihr Leben und ihre  Geschichte interpretiert haben. Sie entstand aus einem tiefen Glauben an Gott und der  gleichzeitigen  Auseinandersetzung mit dem Leben und seiner Geschichte. Denn die Bibel ist nicht nur eine Geschichte von Gott, sondern eine Geschichte von Gott mit den Menschen. Und in ihr sind die tiefsten Ängste, Sorgen, Sehnsüchte und Hoffnungen ganzer Generationen verborgen.  Genau das, macht die Bibel letztendlich auch menschlich und zeitlos in ihrer Wahrheit.

Die Bibel ist die Geschichte der Berührungen Gottes mit den Menschen. Und diese Berührungen geschahen im ganz konkreten Leben und zu allen Zeiten.  Er hat die Geschicke seines Volkes gelenkt, er kannte seine Sorgen und Nöte, seine Schwächen und Stärken. Er hörte ihr Jammern und Klagen, ihre Verzagtheit und Mutlosigkeit.  Er hat gescholten und getröstet, gestraft und aufgerichtet.  Er ist ein gerechter Gott, der die Mächtigen bestraft und die Unterdrückten befreit. Er wollte seinem Volke nahe sein und von ihm geliebt werden, so wie er es liebte.

Die Grundthemen und Lebensthemen der Menschen sind und waren immer gleich. Auch ihre Ängste, Sorgen und Nöte. Es gab schon immer Kriege und Gewalt, Herrscher und Unterdrückte, Starke und Schwache, Hilflose und Ohnmächtige. Sie unterscheiden sich nur in dem Wie. So werden Herrschaft und Unterdrückung heute anders erlebt und gelebt als in biblischen Zeiten. Was früher Fürsten und Könige waren, sind heute die Mächtigen der Wirtschaft die uns bestimmen und beherrschen. Der Umgang damit und was daraus resultiert ist wiederum ein anderer als einem König oder Fürsten gegenüber. Es ist schlichtweg ein Unterschied ob ich einem einzelnen Herrscher gegenüber stehe oder einem großen undurchsichtigen Konzern. Der Unterschied besteht im Grad der Hilflosigkeit und Ohnmacht. Deshalb ist es so notwendig, sich zunächst mit den Lebensfragen und -umständen der Menschen in der jeweiligen, sprich heutigen Zeit auseinanderzusetzen und damit auch mit ihren daraus resultierenden Ängsten und Nöten. Die müssen ernst genommen und gesehen werden. Theologie hätte dann die Aufgabe die Geschichten und Gotteserfahrungen von denen die Bibel erzählt, mit dem Erleben der Menschen von heute zu verknüpfen. Erst da, wo ich mich mit meinem konkreten Leben darin wiederfinde kann sie mich auch wieder berühren.

Luther hat dem „Volk auf Maul geschaut“,
aber wir müssen lernen dem „Volk“ auch in die Seele und ins Herz zu schauen.

Für mein Empfingen vernachlässigt Theologie oft den konkreten Menschen, sie beschreibt Gott, versucht ihn zu erklären und zu deuten und auf die heutige Zeit zu übertragen. Das ist alles gut, richtig und wichtig. Besonders was die historisch kritische Forschung angeht. Natürlich werden die Theologen sagen, aber wir sehen doch den Menschen, denn nur um ihn geht es uns. Aber die Theologie  ist zunächst einmal, wie der Name schon sagt, die Lehre von Gott und nicht vom Menschen. Und sie ist die Lehre darüber wie Gott den Menschen sieht und wie er zu Gott kommt. Sie beschäftigt sich aber nicht damit, wie der Mensch sich sieht, wie er ist und was er für sich braucht. Anders ausgedrückt, sie blickt  von „oben“ spricht Gott nach „unten“ sprich Mensch. Und der Mensch hat so zu sein wie Gott ihn sieht, und die Theologie es lehrt. Der Mensch hat sich dem anzupassen und zu fügen

Jesus hat genau einen anderen Weg beschritten. Er hat sich dem Leben und den Menschen zugewandt. Er ist zunächst als kleiner Mensch auf die Welt gekommen. Mitten ins Leben rein, in einer Krippe im Stall. Er hat als Kind und Jugendlicher das Leben erfahren in seiner Familie in seiner Umwelt. Er ist bewusst unter die Menschen gegangen, um sie kennenzulernen und zu verstehen. Er ist dahin gegangen wo sie lebten und wo sie arbeiten, aber auch da wo sie feierten und fröhlich waren (sehr zum Verdruss der Pharisäer). Er hat mit ihnen gesprochen, hat ihnen zugehört  und so auch ihre Sorgen und Nöte erfahren. Er ist in die Not der Menschen hineingegangen und hat sie gesehen und erkannt. Er hat ihnen ins Herz geschaut und sie gefragt „was brauchst du“, „was willst du, dass ich dir tue?“ Und so hat er die Menschen berührt, so war er ihnen nahe. Weil er sie ernst nahm. Die Pharisäer konnten es offensichtlich nicht, denn ihnen war das Gesetz wichtiger als der Mensch.

Erst da wo ich als Mensch gesehen werde, in meiner Verletzlich und Bedürftigkeit
werde ich auch berührt

Dafür muss ich den Menschen nahe sein, mit ihnen reden und ihre Sorgen und Nöte teilen. Ich muss ihnen zuhören und sie fragen was sie brauchen. Und um sie zu verstehen mit ihnen mein Leben teilen und einer/r von ihnen sein. Die Kirche verkündete Jahrhunderte lang eine weltabgewandte Botschaft. Sich der Welt gleichzustellen war ihre größte Sorge, sich von ihr abzugrenzen eines  ihrer wichtigsten Gebote. Aber das hat sie zunehmend von den Menschen entfernt, und unglaubwürdig gemacht. Nur eine der Welt und dem Menschen zugewandte Kirche kann wieder glaubwürdig werden.  Und das  heißt nicht sich in ihrer Gnade und Erhabenheit zu der Welt und den Menschen herunter zu beugen. Es geht um Augenhöhe, von Mensch zu Mensch. Um Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit und Authentizität. Darum, sich nicht hinter Ämter und Würden zu verstecken, und damit eine Mauer zu errichten, die nur schwer zu überwinden ist.  Für Pastoren,  Pfarrer und kirchliche Würdenträger hieße es dann, runter von der Kanzel zu steigen, den Talar auszuziehen und sich als Gleicher unter Gleichen unter das „Volk“ mischen. Einfach Mensch sein unter Menschen, so wie Jesus es getan hat.

Nun, das ist ein Traum,  die Kirche lässt sich, so wie sie ist, nur schwer verändern.  Aber ich als einzelner Mensch und Christ kann neue Wege gehen.  Mich der Welt zuwenden mit ihren Bedürfnissen, Fragen, Zweifeln und Ängsten. Ich kann sie fragen was braucht ihr, was brauchst du. Ich kann mich auf die Suche nach glaubhaften  Antworten machen. Antworten, die auch in der Bibel zu finden sind.  Und – die nicht einfach übergestülpt werden, sondern die den/die Menschen wirklich sehen und meinen.

über mich:

bin eine  überzeugte Christin, die aber nicht alles unreflektiert hinnimmt, sondern auch ihre Fragen und Zweifel hat . Mein Glaube ist mit dem Leben gewachsen und reifer und eigenständiger geworden. Ich arbeite als freie Psychotherapeutin, und erlebe die Menschen von ihrer bedürftigen und verletzten Seite. Menschen, die sich mir öffnen und ehrlich sind. Und ich habe das Zuhören und Fragen gelernt. Es geht mir deshalb auch nicht um theologische Fragestellungen oder gar Kritik. Es geht mir um die Frage was muss sich in Theologie und Kirche ändern, um den Menschen von heute wieder zu erreichen.

Meine Homepage:

https://www.psychotherapie-bo.de

Wenn Sie mir eine E-Mail schreiben möchten: